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<title>Jan Matthys</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Jan Matthys</span></h1>
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<p><b>Jan Matthys</b> (* um <a href="1500" title="1500">1500</a> in <a href="Haarlem" title="Haarlem">Haarlem</a>; † <a href="5._April" title="5. April">5. April</a> <a href="1534" title="1534">1534</a> in <a href="M%C3%BCnster" title="Münster">Münster</a> auch <i>Jan Matthijs</i>, <i>Jan Mathys</i>, <i>Jan von Haarlem</i>, <i>Mathijz</i>, <i>Matthyssen</i> oder <i>Mathyszoon</i>) war ein niederländischer Bäcker und <a href="T%C3%A4ufer" title="Täufer">Täufer</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Biographie">Biographie</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Leben_und_Wirken">Leben und Wirken</h3></div>
<p>Über die Kindheit und Jugend des Jan Matthys ist wenig bekannt. Er wurde um 1500 in den <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlanden</a> geboren und arbeitete als Bäcker in <a href="Haarlem" title="Haarlem">Haarlem</a>. Nachdem er sich der Täuferbewegung angeschlossen hatte, fiel er bald durch seine Radikalität auf. <a href="Melchior_Hofmann" title="Melchior Hofmann">Melchior Hofmann</a>, ein bekannter Führer der Täuferbewegung, fand in dem Bäcker aus Haarlem einen glühenden Gefolgsmann. Er störte katholische Prozessionen und Predigten. 1528 wurde ihm für eine angebliche Lästerung der gewandelten Hostie die Zunge durchbohrt. Als sich im November 1533 Hofmanns Prophezeiungen nicht einstellten, wurde er von Matthys sehr schnell entmachtet. Der begab sich auf Wanderschaft, predigte und taufte in <a href="Brielle" title="Brielle">Den Briel</a> und <a href="Rotterdam" title="Rotterdam">Rotterdam</a>. Matthys übernahm die Führung der nach Melchior Hofmann benannten <i>Melchioriten</i> in Amsterdam und forderte als solcher immer wieder die Errichtung eines Gottesstaates. Dort nahm Matthys sich eine Geliebte, die er vor ihren Eltern versteckte und erklärte sie zu seiner „geistlichen Eheschwester“. Zuvor hatte er seine frühere ältere Ehefrau verstoßen. Hierin kann eine Vorwegnahme der später in Münster praktizierten <a href="Polygynie" title="Polygynie">Polygynie</a> gesehen werden. Matthys lehnte den <a href="Pazifismus" title="Pazifismus">Pazifismus</a> und die <a href="Theologie" title="Theologie">Theologie</a> der Gewaltfreiheit des Melchior Hofmann immer mehr ab und kam zu der Überzeugung, dass man Unterdrückung Widerstand entgegensetzen müsse. Die von ihm ausgewählten Prediger (von ihm Apostel genannt) waren vor allem in <a href="M%C3%BCnster" title="Münster">Münster</a> erfolgreich.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Täuferreich_von_Münster"><span id="T.C3.A4uferreich_von_M.C3.BCnster"></span>Täuferreich von Münster</h3></div>
<p>Im Januar 1534 entsandte Matthys <a href="Jan_van_Leiden" title="Jan van Leiden">Jan van Leiden</a>, den er im November 1533 selbst getauft hatte, als Apostel nach <a href="M%C3%BCnster" title="Münster">Münster</a>. Am 2. März, nach anderen Quellen bereits Mitte Februar desselben Jahres, folgte er ihm nach und erklärte Münster zum <a href="Neues_Jerusalem" title="Neues Jerusalem">neuen Jerusalem</a>. Obwohl der neu gewählte Rat der Stadt den Ideen der Täufer positiv gegenüberstand, kam es noch am Tag von Matthys’ Ankunft zum <a href="Reformatorischer_Bildersturm" title="Reformatorischer Bildersturm">Bildersturm</a> in der Stadt. Alle Kirchen und Klöster der Stadt wurden verwüstet, um die <i>Spuren der falschen Vergangenheit zu tilgen</i>. In <a href="T%C3%A4uferreich_von_M%C3%BCnster" title="Täuferreich von Münster">Münster</a> verkündete er sein „apokalyptisches Programm“:
</p>
<ol><li>Die Gottlosen müssen vor der Wiederkehr Christi vernichtet werden,</li>
<li>Christus werde eine weltumspannende Theokratie errichten,</li>
<li>die „apostolischen Sendboten“ seien unbesiegbar und hätten vor der Endzeit zu warnen.</li></ol>
<p>Am 24. Februar 1534 forderte Matthys die Bevölkerung Münsters auf, sich von ihm taufen zu lassen. Wer sich weigerte, musste bis Mitternacht die Stadt verlassen. In dieser Zeit ließ Matthys auch alle Bücher vernichten; mit Ausnahme der <a href="Bibel" title="Bibel">Bibel</a>. Er gilt als die treibende Kraft hinter der Einführung einer <a href="Kollektiveigentum" title="Kollektiveigentum">Gütergemeinschaft</a> analog zur <a href="G%C3%BCtergemeinschaft_der_Jerusalemer_Urgemeinde" title="Gütergemeinschaft der Jerusalemer Urgemeinde">Gütergemeinschaft der Jerusalemer Urgemeinde</a> und der <a href="Polygynie" title="Polygynie">Polygynie</a> (einer Form der Polygamie) in Münster.
</p><p>Der Bischof von Münster <a href="Franz_von_Waldeck" title="Franz von Waldeck">Franz von Waldeck</a> begann im Frühjahr 1534 seine Stadt zu belagern. Im Gegensatz zu Hoffmann, der sich auf die Prophetien seiner Jünger und auf die Heilige Schrift berief, gab Matthys vor, unmittelbar auf Grund göttlicher Eingaben, Visionen und Gesichte zu handeln. Matthys soll ein talentierter Rhetoriker gewesen sein, wobei er besonders das Schwanken zwischen Strafandrohung und Versöhnung gekonnt eingesetzt haben soll, um seine Zuhörer in die gewünschte Richtung zu lenken. Auch neigte er zur Ekstase, dann wieder zu mehrtägigen melancholischen Verstimmungen. Am 5. April, dem Osterfest, hielt er auf dem Marktplatz zu Münster eine Predigt, in der er behauptete, der neue <a href="Gideon_(Richter)" title="Gideon (Richter)">Gideon</a> zu sein. Schon zuvor hatte er sich bereits in Amsterdam mit einer alttestamentlichen Gestalt gleichgesetzt. Er sei ein neuer <a href="Henoch" title="Henoch">Henoch</a>, der zweite Zeuge aus der Apokalypse. Nach einer Vision eines vorgezogenen Gottesgerichts ritt Matthys am selben Tag mit einigen Getreuen unbewaffnet aus der Stadt. Jan Matthys wurde von den Landsknechten zerhackt, die sich daraufhin mit seinen Überresten gegenseitig bewarfen. Als sie abzogen, kamen die Täufer mit einem großen Weidenkorb aus der Stadt und sammelten die Einzelteile ein. Sein Kopf aber wurde auf einen Pfahl gespießt und vor der Stadt aufgestellt.
</p><p>Die Stadt Münster fiel erst am 25. Juni 1535. Beim Erstürmen der Stadt wurden alle Täufer, derer man habhaft werden konnte, getötet. Erst nach zwei Tagen wurde dieses Blutbad beendet.
</p><p>Die Führer der Täufer, <a href="Jan_van_Leiden" title="Jan van Leiden">Jan van Leiden</a>, <a href="Bernd_Krechting" title="Bernd Krechting">Bernd Krechting</a> und <a href="Bernd_Knipperdolling" title="Bernd Knipperdolling">Bernd Knipperdolling</a>, wurden am 22. Januar 1536 unter Folter öffentlich hingerichtet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Alfred Hrdlicka: <i>Ästhetik des Grauens</i>. Rhema-Verl., Münster 2003, ISBN 3-930454-43-2.</li>
<li><a href="Helmut_Lahrkamp" title="Helmut Lahrkamp">Helmut Lahrkamp</a>: <i>Das Drama der Wiedertäufer</i>. Aschendorff, Münster 2004, ISBN 3-402-05342-X.</li>
<li>Barbara Rommé: <i>Das Königreich der Täufer in Münster</i>. Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-6253-4.</li>
<li><a href="Claus_Bernet" title="Claus Bernet">Claus Bernet</a>:&nbsp;<i>Jan Matthys.</i> In: <i><a href="Biographisch-Bibliographisches_Kirchenlexikon" title="Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon">Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon</a></i> (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 912–916.</li>
<li>Gerald Döner: <cite style="font-style:italic">Mathys von Haarlem, Jan</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Neue_Deutsche_Biographie" title="Neue Deutsche Biographie">Neue Deutsche Biographie</a></cite>. (NDB). <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>16</span>. Duncker &amp; Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>381–382</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsche-biographie.de/gnd137400799.html#ndbcontent">deutsche-biographie.de</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Jan+Matthys&amp;rft.atitle=Mathys+von+Haarlem%2C+Jan&amp;rft.au=Gerald+D%C3%B6ner&amp;rft.btitle=Neue+Deutsche+Biographie&amp;rft.date=1990&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=3428001974&amp;rft.pages=381-382&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Duncker+%26+Humblot&amp;rft.volume=16" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Carl Adolph Cornelius:&nbsp;<i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Mathys,_Jan" class="extiw external" title="s:ADB:Mathys, Jan">Mathyszoon, Jan</a>.</i> In: <i><a href="Allgemeine_Deutsche_Biographie" title="Allgemeine Deutsche Biographie">Allgemeine Deutsche Biographie</a></i> (ADB). Band&nbsp;20, Duncker &amp; Humblot, Leipzig 1884, S.&nbsp;600–602.</li></ul>
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